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Über die Ursachen von Krieg und Terror

Als Georges W. Bush nach dem 11. September von „Krieg“ sprach, wurde er von einigen Völkerrechtlern für seine Begriffswahl kritisiert: Der Begriff „Krieg“ beziehe sich auf eine Auseinandersetzung zwischen Nationalstaaten, bei den Anschlägen auf die Twin-Towers handele es sich hingegen um Terror.

Tatsächlich aber ist Terror Teil einer „asymmetrischen Kriegsführung“ (Waldmann 1998); die Kämpfenden wählen nur eine andere Strategie als die der offenen Feldschlacht. Die Ursachen für Krieg wie für Terror sind hingegen identisch, gleiches gilt für die Lösung aller bewaffneten Konflikte.

Warum können manche Konflikte friedlich beigelegt werden, während andere bis hin zum Waffengebrauch eskalieren? Prof. Roland Eckert ist bei seinen Forschungen auf interessante Phänomene gestoßen und stellt liebgewonnene Erklärungsmuster in Frage, denn die würden häufig Ursache und Wirkung vertauschen. So ist beispielsweise die Existenz von Freunden und Feinden nicht der Auslöser eines Konfliktes, sondern ein Denkmuster, das durch einen Konflikt angelegt wird.

Ähnliches gilt für die Konfliktbewältigung: Um einen bewaffneten Konflikt zu beenden, ist mehr nötig als eine Waffenruhe und ein Interessensausgleich, notwendig ist eine Überwindung der (Selbst-)stigmatisierung des „Wir und die anderen“. Was dazu erforderlich ist und wie gefährdet dieser Prozeß ist, wird Roland Eckert im zweiten Teil seines Vortrages erläutern.

ReferentIn:

Prof. Dr. Roland Eckert

Prof. Dr. Roland Eckert

Prof. Dr. Roland Eckert

geboren 1937, studierte Geschichte, Philosophie, Politikwissenschaft und Soziologie in Tübingen, Hamburg und Freiburg. 1968 Promotion. Bis 1973 war er wissenschaftlicher Assistent in Tübingen, von 1973 bis 1975 Professor für Soziologie an der Universität zu Köln und seit 1975 Professor für Soziologie an der Universität Trier. Im Oktober 2004 wurde er emeritiert.

 

Schwerpunkte: Jugend und Politik, Neue Medien, politisch motivierte Gewalt, Konflikt und Konfliktregulierung, Jugend, Schule und Arbeit.

 

Roland Eckert gehört dem Beirat des Bündnis für Demokratie und Toleranz der deutschen Bundesregierung an sowie den Beiräten des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, dem Beirat des Survey Jugend und Politik am deutschen Jugendinstitut München, des BLK-Programms „Demokratie lernen und leben“ und ist Vorsitzender des Beirates der Arbeitsstelle interkulturelle Konflikte und gesellschaftliche Integration (AKI) am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Von 1988 bis 1990 war er Mitglied der Gewaltkommission der Bundesregierung und von 2000 - 2006 Mitglied des Gremiums zur Erstellung des Ersten und Zweiten Sicherheitsberichtes der Bundesregierung.

16. Juni 2008
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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