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Vom Schlachtenbummler zum postmodernen Hooltra

Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball

Die Fußballfanszene ist ein sich ständig weiter entwickelndes Phänomen, wobei die Heterogenität der Fanszenen zuzunehmen scheint. Immer weitere Ausdifferenzierungen führen mittlerweile zu einer äußerst komplexen Zusammensetzung derer, die Woche für Woche ins Stadion pilgern. Zwar hat die von Heitmeyer/Peter und Pilz beschriebene Einteilung der Fans in konsumorientierte, fußballzentrierte und erlebnisorientierte Fans auch heute noch Gültigkeit, aber Ende der 90er muss der Bereich der erlebnisorientierten Fans neben den Hooligans um die so genannten „Ultras“ erweitert werden. Ja mehr noch, in den letzten Monaten beobachten wir eine zunehmende Abkehr der Ultras von ihrem selbst gesetzten Anspruch der Gewaltlosigkeit hin zu einem offenen Bekenntnis zur Gewalt. Sich einerseits weiterhin zu den Ultras und deren Zielen bekennend, andererseits aber hooliganähnliche Verhaltensweisen propagierend und auch ausübend, könnte man die neue Gruppe als „Hooltras“ bezeichnen. In dem Vortrag werden die Ergebnisse einer gerade abgeschlossenen großen Studie zu den Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußballe vorgestellt, Ursachen und Bedingungen hooliganspezifischen (Gewalt-) Handelns aufgezeigt und Möglichkeiten der Prävention diskutiert.

ReferentIn:

Prof. Dr. Gunter A. Pilz

Prof. Dr. Gunter A. Pilz

geb. 5.12.1944. Studium der Soziologie, Psychologie und Volkswirtschaftslehre an der Universitäten Freiburg i. Brsg., München und Zürich; 1972-1974 wiss. Mitarbeiter am Forschungsinstitut der Eidg. Turn- und Sport¬schule Magglingen (Schweiz), seit 1975 am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hanno¬ver. Akad. Oberrat am Institut. für Sportwissenschaft der Universität Hannover, Leiter des Arbeitsbereichs "Individuen und Gesellschaft", sowie Honorarprofessor und Lehrbeauftragter für Jugendgewalt und Gewaltprävention an der evangelischen Fachhochschule Hannover, Fachbereich Sozialwesen.

 

Forschungsschwerpunkte: Gewalt in der Gesellschaft und im Sport, Gewaltakzeptanz und Rechtsextremismus junger Menschen, Fair Play, (sport-, körper- und bewegungsorientierte) Soziale Arbeit, Medien und Gewalt sowie Bewegungsräume und Sportangebote für junge Menschen in städtischen Ballungsgebieten.

06. November 2006
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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