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Wie erziehe ich Kinder und Jugendliche zur Fremdenfeindlichkeit?

Die umgekehrte Frage, „Wie erziehe ich Kinder zur Toleranz?“, würde mit Sicherheit keine sonderliche Neugier erzeugen. In Erwartung all der erzieherischen Tugenden, die landauf, landab und an jedem Stammtisch mehr oder weniger richtig beschrieben werden, ist Langeweile programmiert. Die umgekehrte Frage erzeugt merkwürdigerweise mehr Interesse: Was muss ich tun, damit mein Kind fremdenfeindlich wird? Würde man bei der positiven Frage nach der Toleranz auch die Skepsis am Erreichen der hehren Erziehungsziele zugleich mitdenken, so bei der Negativformulierung gewissermaßen nicht: Wir sind alle überzeugt, dass Erziehung auf dem Wege zur Fremdenfeindlichkeit eine große Rolle spielt.

Im Vortrag wird auf Grundlage zahlreicher empirischer Untersuchungen zur Pathogenese der Fremdenfeindlichkeit ein Szenario entwickelt, das die Entwicklung von Fremdenfeindlichkeit begünstigt und damit zugleich angeblich unverdächtige Faktoren in der erzieherischen Umwelt brandmarken kann. Zugleich wird dadurch ein besseres Verständnis der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit erreicht werden können.

ReferentIn:

Prof. Dr. Rainer Dollase

geb. 1943. Studium der Psychologie in Saarbrücken, Düsseldorf und Köln, Promotion 1974 (Saarbrücken). Von 1970 bis 1976 Abteilungsleiter in einem empirischen Forschungsinstitut, von 1976 bis 1980 Wissenschaftlicher Rat und Professor an der Universität Essen und seit 1980 Professor für Psychologie an der Universität Bielefeld. Seit 1993 auch Mitglied des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld.

 

Aktuelle Schwerpunkte: Untersuchungen zur „Integration muslimischer Menschen“ (2007) – Bericht über eine empirische Untersuchung bei 6500 Personen im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung.

 

Zahlreiche empirische Forschungsprojekte und Publikationen zu Fragen der Sozialpsychologie der Fremdenfeindlichkeit und zur Pädagogischen Psychologie: u.a. „Politische Psychologie der Fremdenfeindlichkeit“ (mit Kliche, Moser, 1999), „Das Gewaltdilemma“ (mit W. Heitmeyer, 1994); „Die Krise der Städte“ (mit Backes, Heitmeyer, 1998); „Die bedrängte Toleranz“ (mit Heitmeyer, 1996).

10. März 2008
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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