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Wie Integrationspolitik erfolgreich sein kann

Gelingende Integration setzt nicht nur Integrationsbereitschaft bei der Zuwandererbevölkerung, sondern auch Akzeptanz bei der Mehrheitsgesellschaft voraus. Aus beidem muss ein Mindestmaß an gegenseitigem Grundvertrauen resultieren, das Einwanderern dauerhafte Sicherheit im Einwanderungsland signalisiert. Auf dem deutschen Weg zur Einwanderungsgesellschaft gab es viele individuelle Erfolgswege. Es gab aber auch Versäumnisse auf beiden Seiten; ihre sozialen Folgen müssen im Rahmen des Möglichen begrenzt werden. Nachholende Integrationspolitik ist eine unumgängliche integrationspolitische Reparaturmaßnahme auf Grund von solchen Versäumnissen und von Verspätungen in der konzeptorientierten Migrations- und Integrationspolitik. Sie wäre in diesem Umfang nicht nötig, wenn es die schon vor Jahrzehnten immer wieder vergeblich geforderte Einführung eines dem kanadischen Erfolgsmodell entsprechenden Punktesystems gegeben hätte, d.h. eine Zuwandererauswahl nach vom Einwanderungsland festgelegten Kriterien. Nachholende Integrationsförderung ist heute die wichtigste Säule in der Architektur der Integrationspolitik in Deutschland, denn die Zahl der dauerhaft im Lande lebenden Menschen mit Migrationshintergrund, die niemals die heute für selbstverständlich erachteten Eingliederungshilfen erhalten haben, übersteigt um ein Vielfaches die stets weiter schrumpfende Gruppe der Neuzuwanderer.

ReferentIn:

Prof. Dr. Klaus J. Bade

Prof. Dr. Klaus J. Bade

Prof. Dr. Klaus J. Bade

ist Historiker, Publizist und Politikberater. Er ist Begründer und Vorstandsmitglied des Osnabrücker ›Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien‹ (IMIS) und des bundesweiten Rates für Migration (RfM). Er war Fellow an den Universitäten Harvard und Oxford, am Wissenschaftskolleg zu Berlin und an der Niederländischen Akademie der Wissenschaften. Er ist Leiter deutscher und internationaler wiss. Forschungsprojekte; Mitglied zahlr. wiss. Vereinigungen, Kommissionen, Kuratorien und Beiräte sowie Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher zur Kolonialgeschichte, zur Sozial-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte sowie zur Entwicklung von Bevölkerung und Wanderung in Geschichte und Gegenwart.

03. Dezember 2007
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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