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Wie klingt Protest? Popmusik und Politik

Seit alters her ist die Musik eng mit den verschiedensten sozialen Protestbewegungen verbunden gewesen. „Wenn die Musik sich ändert, zittern die Mauern der Stadt“ – wusste schon Platon. Die Fähigkeit der Musik, Gemeinschaft zu bilden und Gemeinschaftsgefühle anzusprechen, hat vor allem in der jüngeren und jüngsten Geschichte immer wieder dazu geführt, dass sich sozialer und politischer Protest der Mittel der Musik bedient hat. Insbesondere das politische Lied kann Aufruf zu Aktionen, Form des politischen Widerstandes, Mittel der Solidarisierung und Gemeinschaftsbildung, Anklage oder Manifest sein, kann Privates auf seine politische Dimension hin transparent machen oder Politisches in private Zusammenhänge vermitteln. Im Fokus steht dabei freilich hauptsächlich der Text, während die Musik häufig nur als ein Transportmittel für die verbal formulierten politischen Botschaften angesehen wird. Doch der Protest hat seinen eigenen Klang, selbst dann, wenn die Musik nicht mehr sein will als Träger einer verbalen Botschaft. Vor allem die Jugendbewegungen der letzten Jahrzehnte haben die im Klang eingeschlossene Sprengkraft der Musik kreativ und fantasievoll zu entfesseln gewusst. Letztlich ist auch dadurch diejenige Mauer, die Deutschland und Europa geteilt hat, nicht nur zum Erzittern, sondern schließlich zu Fall gebracht worden. Wie also klingt Protest?

ReferentIn:

Prof. Dr. Peter Wicke

Prof. Dr. Peter Wicke

Prof. Dr. Peter Wicke

geb. 1951 in Zwickau. Musikwissenschaftler, Professor für Theorie und Geschichte der populären Musik am Institut für Musik- und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, Gründer und Direktor des Forschungszentrums populäre Musik an der Humboldt-Universität, Adjunct Research Professor am Department of Music der Carleton University Ottawa, Mitglied im Advisory Board des International Institute for Popular Culture (University of Turku, Finnland), Chefredakteur der Online-Zeitschrift PopScriptum sowie Mitherausgeber mehrerer wissenschaftlicher Zeitschriften im Ausland, darunter Popular Music (Cambridge) und Popular Music History (London); zahlreiche Veröffentlichungen in mehr als zwanzig Sprachen, darunter Rock Music: Cultural, Aesthetics Sociology (Cambridge 1990), Bigger Than Life: Musik und Musikindustrie in den USA, (Leipzig 1991), Music and Cultural Theory (Cambridge 1993, m. J. Shepherd), Rockmusik und Politik (Berlin 1996), Von Mozart zu Madonna. Kulturgeschichte der Popmusik, (Frankfurt/Main 2001), Rock-Pop-Jazz-Folk. Handbuch der populären Musik (m. W. Ziegenrücker) (Mainz 2008).

07. Juni 2010
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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