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Wie sich der Umgang mit dem Lebensende verändert

"Sterben? Am liebsten plötzlich und unerwartet" - Eine soziologische Analyse der Vorstellungen vom "guten" Lebensende
Der plötzlich über einen kommende Tod ohne die Möglichkeit, sich auf ihn vorzubereiten, war jahrhundertelang für die Menschen in Europa mit größter Angst besetzt. Aktuelle soziologische Umfragen in der deutschen Gegenwartsgesellschaft zeugen vom genauen Gegenteil: Gefragt, wie sie sterben möchten, antworten bei weitem die meisten Menschen, dass sie "plötzlich und unerwartet" sterben möchten. Dem korrespondiert, dass gegenwärtig die Angst vor dem Tod keine Konjunktur hat, wohl aber die Angst vor dem Sterben. Denn das Sterben hat sich im zwanzigsten Jahrhundert mit dem Fortschritt der Medizin historisch erstmals als eigene Phase vom Tod entkoppelt. Die soziologische Analyse dieser Angst vor dem Sterben zeigt, dass die oft qualvollen langen Phasen des Sterbens, verknüpft mit Autonomieverlust und körperlicher Entstellung, als Zerstörung des zivilisatorisch erreichten Niveaus der Menschen wahrgenommen werden.

ReferentIn:

Matthias Hoffmann, M.A.

Matthias Hoffmann, M.A.

Matthias Hoffmann, M.A.

geb. 1976. Studium der Soziologie und Philosophie an der Universität Trier, dort wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie bei Prof. Alois Hahn. Forschung zur Thanatosoziologie, Hospizbewegung, Kultursoziologie, Religionssoziologie. Neuere Publikationen: Tod und Sterben als soziales Ereignis, in: Transit, Europäische Revue, 33, 2007, S.5-25 (mit Alois Hahn),

 

Religiöser Wandel in der deutschen Gegenwartsgesellschaft, in: Religionskontroversen in Frankreich und Deutschland, Hamburger Edition, 2008, S. 239 - 270 (mit Alois Hahn), Artifizielle Natürlichkeit, in Herbert Willems (Hg.): Theatralisierungen und Enttheatralisierungen in der Gegenwartsgesellschaft , Band 1, VS Verlag, Wiesbaden, 2009, S. 549-573, Im Erscheinen: Kulturindustrie - vermasste Kultur - Jazz, in: Überschreitung und Überfluss. Die kulturelle Praxis des Verausgabens, transcript-Verlag (Reihe "Literalität und Liminalität").

22. Februar 2010
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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