Archiv (Audio on demand)

Wirtschaftskriminalität im Bereich der neuen Finanzmärkte

Eine Gefahr für Wohlstand und Demokratie

In den Kriminalitätsstatistiken verzeichnen Wirtschaftsdelikte seit Jahren die höchsten Wachstumsraten. Nach Berechung des Internationalen Währungsfonds beläuft sich das Volumen illegaler Zahlungsströme auf mehr als 5 Prozent des Weltsozialproduktes. Korrupte Potentaten, Geldwäscher, Terroristen, Steuerbetrüger, Menschen- und Drogenhändler bedienen sich subtiler Finanzinnovationen auf den internationalen Kapitalmärkten, mit denen Herkunft und Zweck der Gelder verschleiert werden.
Die Wahrnehmung von Kriminalität wie auch die politischen Maßnahmen zur Kriminalitäts- oder Terrorbekämpfung zielen weitgehend auf die Abwendung physischer Gewalt ab. Nahezu täglich sehen wir uns mit neuen Verschärfungen der Bürgerrechte konfrontiert. Andererseits agieren die Akteure auf den Finanzmärkten in einem Regulationsvakuum, das für viele Akteure einem Anreiz zur Wirtschaftskriminalität gleichkommt. Nationalstaaten, Kommunen, soziale Sicherungssysteme und breite Bevölkerungsschichten verzeichnen einen ungeheuerlichen Aderlass an Kapital. Mit dem Verlust an demokratischer Verfügungsmasse büßen Demokratien ihre Legitimation ein.

Viele Nichtregierungsorganisationen fordern daher eine schärfere Kontrolle grenzüberschreitender Finanztransfers, und selbst Geheimdienste, Staatsanwälte und Polizeibehörden beklagen immer häufiger die mangelnde Transparenz und die Kultur der Straflosigkeit, die mit der Liberalisierung der Finanzmärkte einhergeht. So kommt es in der Mehrzahl der Delikte nicht zur Anklageerhebung. Selbst spektakuläre Prozesse enden mit banalen Geldstrafen.

Es geht aber auch anders: Internationale Bemühungen der FATF, der Financial Action Task Force on Money Laundering, eine neue Geldwäscheverordnung der EU, eine schärfere Kontrolle von Offshore-Standorten, drastische Maßnahmen der Börsenaufsicht in den USA im Kontext des 11. Septembers und die öffentliche Bloßstellung von Wirtschaftskriminellen durch eine kritische Öffentlichkeit weisen den Weg in eine effizientere und gerechtere Regulierung.

ReferentIn:

Dr. Stephan Hessler

Dr. Stephan Hessler

Dr. Stephan Hessler

geb. 1957, Publizist. Studium der Volkswirtschaftslehre, Politische Wissenschaften und Pädagogik, 1989 Promotion zum Thema „Umwelt und Entwicklung im ländlichen Raum“. Seit 1995 Hochschulassistent an der WBE Internationale Beziehungen in Frankfurt am Main und seit 2001 Habilitand am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität zum

Thema „Neue Finanzmärkte“.

 

1985 Forschungsaufenthalte in Ecuador und 1990 Forschungsprojekt „Strukturveränderungen in der Weltwirtschaft und Konsequenzen ihre für die internationale Ordnung 1960-1990“.

 

Seit 1999 Mitglied im Koordinationskreis Attac (Rhein-Main) und im Wissenschaftlichen Beirat. Seit 2007 Vorstandsmitglied von Business Crime Control. Mitherausgeber der Zeitschrift BIG Business Crime.

 

Wichtigste Publikationen: Terroristenfahndung unter Kleinsparern. Die Neue Geldwäsche – Richtlinie der EU. In: Business Crime 14.3.2006; Regulierungsdefizite auf den internationalen Finanzmärkten: Das Offshore-Banken(un)wesen. In: Gehl, Günter / Schlichting, Georg (Hrsg.): Globalisierung – Fluch oder Segen?. Weimar: Bertuch-Verlag, Tagungsband der Katholischen Akademie Trier.; Albert, Mathias / Brock, Lothar / Hessler, Stephan / Menzel, Ulrich / Neyer, Jürgen (1999): Die Neue Weltwirtschaft. Entstofflichung und Entgrenzung der Ökonomie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

21. April 2008
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

 Anhören