Vortrag „1968“ als Feindbild und Vorbild für die Neue Rechte

Der Vortrag skizziert das ambivalente Verhältnis der Rechten zum politisch-kulturellen Umbruch, auf den die Chiffre „1968“ verweist. Einerseits teilt sie das bürgerlich-konservative Ressentiment gegen die linken „Revoluzzer“, die vor einem halben Jahrhundert einen fatalen Sitten- und Werteverfall ausgelöst hätten. Jörg Meuthens vielzitierter Ausspruch vom wahlweise „links-rot-grün verseuchten“ oder „versifften 68er-Deutschland“ ist Ausdruck dieser Abwehrhaltung, die letztlich die Entwicklung der Bundesrepublik zu einem liberalen, pluralistischen Gemeinwesen zurückdrehen will. Andererseits hat eine sogenannte Neue Rechte seit den 1970er Jahren immer wieder versucht, von den tatsächlichen oder vermeintlichen Erfolgen der Neuen Linken zu lernen und mit der Adaption „linker“ Themen und Protestformen eine rechte „Kulturrevolution“ zu initiieren.


18:00 Uhr

Politische Akademie der SDS

Europaallee 18

66113 Saarbrücken

Carmen Oschmann

Telefon: 0681 - 906 26 - 21

Referent:

Dr. Maik Tändler

studierte Mittlere und Neuere Geschichte und Philosophie an der Universität Göttingen, wo er 2015 auch promovierte. Im selben Jahr wechselte er an die Universität Jena und ist seitdem dort am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte (Professor Dr. Norbert Frei) als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Einer seiner gegenwärtigen Forschungsschwerpunkte ist die Geschichte der intellektuellen Rechten im 20. Jahrhundert. Der Vortrag beruht auf einem Kapitel des gemeinsam mit Norbert Frei, Franka Maubach und Christina Morina verfassten Buches „Zur rechten Zeit. Wider die Rückkehr des Nationalismus“, erschienen 2019 im Ullstein Verlag.

Dr. Maik Tändler

Dr. Maik Tändler

Im Rahmen der Veranstaltung gibt es einen Büchertisch der Buchhandlung St. Johann.