Filmvorführung Abgesagt: BEATE UND MARLENE. Eine Gesellschaft braucht die Ausnahmen

Ein Film über zwei außergewöhnliche Frauen, die sich auf sehr besondere Weise in die deutsche Geschichte eingebracht haben.

Marlene Dietrich setzte sich für Emigranten aus Nazi-Deutschland ein und ging während des Zweiten Weltkriegs in die amerikanische Truppenbetreuung. Beate Klarsfeld setzt sich bis heute für die Erinnerung an die ermordeten Juden Europas ein.

Marlene Dietrich, geboren 1901, war mit ihrem Film "Der blaue Engel" zum umschwärmten Weltstar geworden. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde aus der Arbeitsmigrantin die freiwillig das amerikanische Exil bevorzugende Schauspielerin. Die Nazis wollten, dass Marlene ihre Kunst der „nationalen Revolution“ zur Verfügung stelle, doch sie lehnte ab.

Beate Klarsfeld, Jahrgang 1939, ging als junge Frau nach Frankreich und lernte dort ihren späteren Mann Serge Klarsfeld kennen. Serges Vater war 1943 von den Nazis ermordet worden, da er Jude war. Seit Jahrzehnten engagieren sich Beate und Serge Klarsfeld dafür, NS-Täter vor Gericht zu bringen und gegen aktuelle rechte Tendenzen anzugehen.

Was kaum jemand weiß: Marlene Dietrich und Beate Klarsfeld kannten sich seit Mitte der 1980er-Jahre. Marlene Dietrich bewunderte Beate und ihren Mann Serge Klarsfeld sehr für ihr lebenslanges Engagement gegen alte und neue Nazis. Da sich die Filmdiva damals schon aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, kam es nicht mehr zu einer persönlichen Begegnung. Doch Marlene Dietrich und Beate Klarsfeld tauschten sich in Telefonaten und Briefen intensiv aus. Auf diese Weise kamen zwei sehr besondere Menschen mit einer sehr ähnlichen Haltung und mit hohem gegenseitigen Respekt zusammen. Beide lebten und leben Geschichte in Verantwortung vor.

Der Film folgt den Biografien dieser beiden Frauen und macht ihre Haltungen und Einstellungen deutlich. Interviews mit den Bundestagsabgeordneten Marie-Luise Dött, Kerstin Griese, Gregor Gysi und Omid Nouripour, mit den Historikern Natalie Lettenewitsch und Günger Morsch sowie dem Kabarettisten Jochen Malmsheimer fragen nach der gesellschaftlichen Bedeutung dessen, was Marlene Dietrich und Beate Klarsfeld taten und tun. Und der Film möchte wissen, was dies gegenwärtig noch für einen Wert hat.

Bitte beachten Sie:

Aus aktuellem Anlass wird Beate Klarsfeld nicht aus Paris anreisen, sondern in einer Videobotschaft ein Grußwort sprechen. Anschließend wird der Film „Beate und Marlene. Eine Gesellschaft braucht die Ausnahmen“ gezeigt.


18:00 Uhr

Politische Akademie der SDS

Europaallee 18

66113 Saarbrücken

Verena Paul

Telefon: 0681 - 906 26 - 24

Grußwort:

Beate Klarsfeld

Die Publizistin wurde 1939 in Berlin geboren. Im Alter von 21 Jahren ging sie als Au-pair-Mädchen nach Paris und lernte dort ihren späteren Ehemann Serge Klarsfeld kennen, dessen Vater in Auschwitz ermordet worden war. Das Thema Holocaust ließ Beate Klarsfeld nicht mehr los und so machte sie sich mit ihrem Mann zur Lebensaufgabe, Nationalsozialisten zu entlarven, die im Ausland untergetaucht waren oder in Deutschland beruflich wieder Fuß fassen konnten. Das Ehepaar hat mit detaillierten Dokumentationen auf viele unbehelligt lebende NS-Täter hingewiesen, darunter Kurt Lischka, Alois Brunner, Klaus Barbie. In Frankreich trugen sie wesentlich dazu bei, dass die Komplizenschaft der Vichy-Regierung mit dem NS-Regime ins öffentliche Bewusstsein rückte.

Beate Klarsfeld © Gedenkhalle Oberhausen, Foto Hendrik Lietmann / Marlene Dietrich © Marlene Dietrich Collection Berlin

Mit dieser Veranstaltung wird die Ausstellung "Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis" (06. November 2020 bis 27. Januar 2021 in der Politischen Akademie) eröffnet!