Deutschland und Frankreich nach dem Versailler Vertrag: eine unmögliche Aussöhnung?

Obgleich die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg und der Unterzeichnung des Versailler Vertrages extrem angespannt waren und man sie häufig als „deutsch-französischen kalten Krieg“ bezeichnet, wäre es dennoch zu weit gegriffen, den «Diktatfrieden» als unüberwindbares Hindernis für einen Aussöhnungsversuch zu betrachten. Zugegebenermaßen gab es zu Beginn der zwanziger Jahre nur vereinzelte Stimmen und nur bestimmte gesellschaftliche Gruppen, die ihm wohlwollend gegenüberstanden. Aber sie waren es, die in der zweiten Hälfte der Dekade den Weg zu einer offiziellen Annäherung ebneten, verkörpert durch das erste deutsch-französische Politikerpaar der Geschichte: die beiden Außenminister Aristide Briand und Gustav Stresemann. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen in den 1920er Jahren ist eine weitaus umfassendere Geschichtserzählung der deutsch-französischen Beziehungen möglich, als es die eines zusammenhängenden, 30 Jahre währenden Krieges von 1914 bis 1945 wäre.

Der Vortrag erfolgt in französischer Sprache.

im Rahmen der Vortragsreihe 100 Jahre Versailler Vertrag / Schirmherrin: Catherine Robinet, Generalkonsulin der Republik Frankreich im Saarland

Referent:

Prof. Dr. Jean-Michel Guieu

ist Dozent an der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne und Mitglied der Forschungsgruppe UMR SIRICE (Sorbonne – Identités, relations internationales et civilisations de l’Europe). Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Geschichte des Friedens und der europäischen Annäherung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Veröffentlichungen gehören u.a. „Le Rameau et le Glaive. Les militants français pour la Société des Nations“ (2008) sowie die 2018 neu aufgelegte Publikation„Gagner la paix 1914-1929“. Aktuell bereitet er eine Studie über die Praktiken und Vorstellungen über den Frieden in Frankreich in der III. Republik vor.

22. Mai 2019
18:00 Uhr

Parc Explor Wendel
F-57540 Petite-Rosselle

Vortrag

Dr. Verena Paul
Telefon: 0681 - 906 26 - 24