Ein „unglaublicher Friede zwischen Räuberbanden“:

die französische und die deutsche kommunistische Partei und der Versailler Vertrag

Der Erste Weltkrieg, der von den Kommunisten als das „Verbrechen der kapitalistisch-imperialistischen Klassen aller Länder“ dargestellt wurde, endete unter Lenin als ein „unglaublicher Friede zwischen Räuberbanden“. Zu Beginn der 1920er Jahre war das Ziel der kommunistischen Parteien Frankreichs und Deutschlands sowie ihrer Sektionen an Saar und Mosel, gemeinsam mit der 3. Internationale, den fatalen Versailler Vertrag zu zerreißen und durch einen freundschaftlich-brüderlichen Vertrag zu ersetzen. Vor dem Hintergrund des Kriegsendes, das durch eine politische Instabilität in Deutschland und eine soziale Instabilität in Frankreich gekennzeichnet war, versuchte die extreme Linke auf dem Weg zur Bolschewisierung eine gemeinsame Arbeiterfront aufzubauen, um mit ihr die proletarische Revolution in Europa vorzubereiten. Der Vortrag wird den kommunistischen Diskurs über den Versailler Vertrag nachzeichnen und zeigen, inwieweit der Appell an die „Solidarität des Proletariats in Frankreich und Deutschland gegen die Bourgeoisie beider Länder“ der Wirklichkeit entsprach.

Der Vortrag erfolgt in französischer Sprache.

im Rahmen der Vortragsreihe 100 Jahre Versailler Vertrag / Schirmherrin: Catherine Robinet, Generalkonsulin der Republik Frankreich im Saarland

Referent:

Prof. Dr. Emmanuel Droit

studierte Geschichte, Philosophie und Literatur an den Universitäten Nancy, Göttingen, Paris I und an der TU Berlin. Von 2011 bis 2012 war er Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und daraufhin Fellow am Institute for Advanced Studies in Nantes. Zudem war er Gastwissenschaftler am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam sowie Gastdozent an der Humboldt Universität zu Berlin. Seit 2017 ist er Professor für Neuere und Neueste Geschichte am Institut für Politikwissenschaften der Universität Straßburg. Seine Forschungsschwerpunkte bilden Sozial- und Politikgeschichte des Staatskommunismus in Ostmitteleuropa nach 1945 sowie Geschichte der Sicherheitsorgane. Zu seinen jüngsten Publikationen gehören u.a. „Vorwärts zum neuen Menschen? Die sozialistische Erziehung in der DDR (1949-1989)“ (2013), „Den Kalten Krieg vermessen. Über Reichweite und Alternativen einer binären Ordnungsvorstellung“ (2018 hrsg. mit Frank Reichherzer und Jan Hansen).

13. März 2019
18:00 Uhr

Parc Explor Wendel
F-57540 Petite-Rosselle

Vortrag

Dr. Verena Paul
Telefon: 0681 - 906 26 - 24