Karl Marx: Seiner Nützlichkeit wegen

Konzert

„Von Marx lernen wir, was die menschliche Gesellschaft ist; wer das nicht gelesen oder wen das nicht gelehrt wurde, der muss sich fühlen wie nachts in einem Wald, ohne die Himmelsrichtungen zu kennen.“ Das sagte Fidel von ihm.

Als Marx 1871 „Der Bürgerkrieg in Frankreich“ schrieb, war die Reaktion darauf so, dass er sagen konnte: „Ich habe die Ehre, in diesem Moment der bestverleumdete und der meistbedrohte Mann von London zu sein.“ Das hielt an. Gute 100 Jahre lang sahen seine Feinde das so. Verfälscht, verlacht, verteufelt, zum alten Eisen erklärt, durch den Zusammenbruch eines Experiments der Unteren schienen seine Widersacher bestätigt. Schien, sei betont. Denn, als er während der quälenden Arbeit am „Kapital“, von Krankheit und Armut geplagt, an Engels schrieb: „Jedenfalls hoffe ich, daß die Bourgeoisie ihr ganzes Leben lang an meine Karbunkeln denken wird,“ hatte er so recht, dass heute selbst rechtsgerichtete Kapitalisten nicht umhin können, den häufig von Selbstzweifeln geplagten als einen wirklichen Kenner des Kapitalismus zu bezeichnen. Aber, was wichtiger ist: Heute finden sich Menschen mit unterschiedlicher politischer und gesellschaftlicher Agenda von ihm und seinen Lehren angezogen, führende Köpfe der Arbeiterbewegung, Kader der revolutionär agierenden Parteien, junge unzufriedene Intellektuelle der Konsumgesellschaft, viele von denen waren und sind Marxisten. Marx selber war keiner, wie er deutlich verlauten ließ. Brecht lobt 1938 seine Gedanken ihrer „Nützlichkeit wegen“, und er würde es heute wieder tun. Denn die Kämpfe zwischen den Klassen sind nicht verschwunden, wenn auch ihre Formen sich veränderten. Sein „Die Proletarier haben nichts zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen“, ist wahr wie eh. Die Oktoberrevolution, die die Welt verändert hat und nicht vergessen werden kann, ist ohne Marx nicht zu denken, der Zerfall der einstigen Kolonialreiche nicht und Emanzipationsbewegungen der Frauen sind bei Marx vorgezeichnet, bei Lenin umgesetzt und in der heutigen Welt täglich neu zu gestalten. Zu Zeiten des realen Sozialismus wirkte er als Korrektiv gegen das ungezügelte Ausgreifen der kapitalistischen Ausbeutung. Kaum eine politische Frage gibt es, die wir mit ihm nicht beantworten können. In der Neuen Rheinische Zeitung, dessen Chefredakteur er in London war, ist zu finden, was für heute geschrieben scheint: „Selbst die entschiedenen Mitglieder der Linken, statt sich der ganzen Versammlung direkt gegenüberzustellen, geben sie die Hoffnung nicht auf, in der Kammer und durch die Kammer noch zu etwas zu kommen… Statt eine außerparlamentarische Stellung im Parlament einzunehmen, die einzige, die in einer solchen Kammer ehrenvoll ist, machen sie der parlamentarischen Möglichkeit zu Gefallen ein Zugeständnis nach dem anderen.“

200 Jahre – ein Geburtstag, den wir feiern müssen, für ihn, für Engels, für Jenny, für uns, für die Unteren der Welt.


Gina Pietsch

Die Künstlerinnen:

Gina PietschGina Pietsch, Sängerin und Schauspielerin. Germanistik- und Musikstudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig sowie im Fach Chanson bei Gisela May an der Hochschule für Musik Hanns Eisler zu Berlin, ihr wichtigster Lehrer war Ekkehard Schall. Ihren Schauspielabschluss machte sie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und lehrte dort von 1992 bis 2010 Gesang und Interpretation; seit 2011 wiederholt Lehrtätigkeit im selben Fach an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Zahlreiche Arbeiten für Rundfunk und Fernsehen; siebzig Soloabende, dreißig davon zu Brecht; die weiteren basierend u.a. auf Texten und Musiken von Bachmann, Braun, Degenhardt, Fried, Gernhardt, Goethe, Hacks, Heine, Henning, Kabarett, Kempner, Luther, Pellert, Schrader, Schumann, Theodorakis und Tucholsky. Für ihre Inszenierung des Brecht-Abends „Die Ware Liebe“ am Stadttheater Fürth erhielt sie 1998 den Bayrischen Theaterpreis.

Frauke PietschFrauke Pietsch; Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin mit Abschluß M.A. an der Technischen Universität Berlin 1997. 1994 studierte sie darüberhinaus die Lakota am Oglala Lakota College, USA. Sie machte ein Volontariat beim Jugendradio DT64 und war Regieassistentin bei Loft TV. Zudem war sie Stadtführerin in Berlin & Potsdam (deutsch & englisch) und bei der Besucherbetreuung im Bundespresseamt beschäftigt. Seit 1997 ist sie Vollzeit-Übersetzerin in Berlin und Dublin und Kulturorganisatorin. Mit dem Klavierspiel begann sie 1980 und hatte 1990 erste Engagements. 1992 begann sie mit Gesang und schafft seit 2012 eigene Arrangements und Kompositionen; seither ist sie in unterschiedlichen Besetzungen aktiv

Künstlerinnen:

Karl Marx

Frauke & Gina Pietsch


11. August 2018
18:00 Uhr

Politische Akademie der SDS
Europaallle 18
66113 Saarbrücken

Konzert

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21