Vor 100 Jahren: Die erste deutsche Demokratie

Die erste deutsche Demokratie, die Weimarer Republik von 1918/19 bis 1932/33, war mehr als das Nebenprodukt der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und die Vorgeschichte des „Dritten Reiches“. Ihre zeitgenössischen Befürworter verstanden sie als Ergebnis der freiheitlichen Traditionen Deutschlands, nicht zuletzt der bis ins 18. Jahrhundert zurückreichenden rechtsstaatlichen und der bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückreichenden verfassungsstaatlichen Überlieferungen. Allerdings war die Weimarer Republik von Anfang an schwersten Herausforderungen ausgesetzt: durch einen drückenden Friedensvertrag, durch eine instabile Wirtschaftsentwicklung (mit einem ersten dramatischen Höhepunkt in der Hyperinflation des Jahres 1923) und durch die Gegnerschaft eines Großteils der ökonomischen, militärischen, administrativen und akademischen Eliten. Auch wenn sie durchaus keine „Republik ohne Republikaner“ war, wollten die meisten ihrer Unterstützer die Weimarer Demokratie anders, als sie sich darstellte. Trotz alledem schien sich der republikanische Staat in den Jahren 1924 bis 1928/29 zu konsolidieren, bevor die katastrophale Weltwirtschaftskrise und die gezielte Zerstörungsarbeit reaktionärer Kräfte dem Durchbruch der NSDAP Adolf Hitlers den Weg bereiteten.

Referent:

© FernUniversität in Hagen

Prof. Dr. Peter Brandt

geb. 1948, studierte Geschichte und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. 1973 Promotion mit einer Studie über den Wiederaufbau der deutschen Arbeiterbewegung 1945-46 am Beispiel der Stadt Bremen. 1988 Habilitation mit einer Untersuchung über die Vor- und Frühgeschichte der Deutschen Burschenschaft im frühen 19. Jahrhundert. Von 1989 bis 2014 Professor für Neuere deutsche und europäische Geschichte an der FernUniversität in Hagen, dort seit 2003 Direktor des interdisziplinären Dimitris-Tsatsos-Instituts für europäische Verfassungswissenschaften. Diverse Ehrenämter, u.a. im Vorstand der Friedrich-Ebert-Stiftung und als Mitglied der Deutsch-Russischen Historikerkommission, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Diverse Buch- und Zeitschriftenpublikationen zu Themen der deutschen und europäischen Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts. Neben der wissenschaftlichen Arbeit politische Publizistik und Bemühen um niveauvolle Popularisierung historischer Themen in Schrift und Wort. Herausgeber des Online-Magazins Globkult.

20. Mai 2019
18:00 Uhr

Politische Akademie der SDS
Europaallee 18
66113 Saarbrücken

Vortrag

Elena Steinmetz
Telefon: 0681 - 906 26 - 11