Online-Vortrag Belarus 2020: Coronavirus, Lukaschenko, Revolution

Am 9. August 2020 fanden die Präsidentschaftswahlen in Belarus statt. Während die Zentralwahlkommission den autoritären Amtsinhaber Alexander Lukaschenko mit 80,1 % der Stimmen zum Wahlsieger erklärte, gingen Zehntausende Menschen in der Hauptstadt Minsk und in der belarussischen Provinz auf die Straßen, um gegen die offenkundige dreiste Wahlfälschung zu protestierten. Der Staatschef ließ die spontanen Protestkundgebungen mit rabiater Gewalt niederschlagen und friedliche Demonstranten und Demonstrantinnen brutal misshandeln. In den nächsten drei Monaten wurden mehr als 25.000 Menschen festgenommen und sieben Personen getötet. Lukaschenkos Plan, die Proteste im Keim zu ersticken, ging jedoch nicht auf. Vielmehr verstärkten die Gewalt und Repressionen die Protestbewegung, die inzwischen nicht selten als „belarussische Revolution“ bezeichnet wird.

Warum kam es zu einer starken Protestbewegung, welche die vermeintliche „Oase der Stabilität“ Belarus' aufrüttelte und die Herrschaft des scheinbar unbezwingbaren Amtsinhabers ins Wanken brachte? Wurde diese Bewegung etwa durch die menschenverachtende Corona-Politik des Diktators ausgelöst, der das Ausmaß der Krise bewusst vertuschte und die Bevölkerung im Stich ließ?

In dieser Veranstaltung werden zunächst die Entstehung der unabhängigen Republik Belarus nach dem Zusammenbruch des Kommunismus (1991) und die Entwicklung des Landes während der Lukaschenko-Epoche (seit 1994) beleuchtet. Anschließend stehen Lukaschenkos Corona-Management und die Massenproteste nach der Präsidentschaftswahl im Mittelpunkt.


18:00 Uhr

Politische Akademie der SDS

Europaallee 18

66113 Saarbrücken

Carmen Oschmann

Telefon: 0681 - 906 26 - 21

Referent:

Dr. Alexander Friedman

geb. 1979 in Minsk. Studium der Geschichte an der Staatsuniversität Weißrusslands (Diplom) sowie Neuere und Neueste Geschichte, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache an der Universität des Saarlandes (Magister), 2009 Promotion ebenda. War während des Studiums in Minsk Leiter der Abteilung Geschichte am College Aish haTorah, Redakteur bei der Zeitung Berega und Tutor des Kurses „Geschichte der Juden in Osteuropa“ an der Open University of Israel; belarusische Politik und Geschichte gehören zu seinen thematischen Schwerpunkten.

Ab 2009 Lehraufträge bzw. Mitarbeit in Forschungsprojekten und an Dokumentationen u.a. an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der Universität des Saarlandes, der Universität Sciences Po Paris in Nancy, der Universität Luxemburg, der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW (Duisburg), des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte (Bonn) sowie von Yad Vashem.