Vortrag Die Kriegsverbrecherlobby

Bundesdeutsche Hilfe für im Ausland inhaftierte NS-Täter

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg waren in zahlreichen westeuropäischen Ländern NS-Kriegsverbrecher inhaftiert. Im Zuge der Westbindung der Bundesrepublik wurden die meisten von ihnen entlassen. Lediglich in Italien und den Niederlanden verblieben insgesamt fünf Deutsche im Gefängnis: der SS-Mann Herbert Kappler, als Kommandeur der Sicherheitspolizei verantwortlich für das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen, sowie die „Vier von Breda“, die maßgeblich an der Ermordung der niederländischen Juden beteiligt gewesen waren. Hochrangige deutsche Politiker, unter ihnen die Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt, setzten sich für ihre Freilassung ein. In seinem Vortrag wird Felix Bohr – auf der Grundlage partiell noch unzugänglicher Quellen – das westdeutsche Engagement für die im Ausland inhaftierten NS-Täter nachzeichnen und zeigen, wie sich in der Bundesrepublik eine einflussreiche Interessenvertretung formierte, die intensive Hilfe leistete.


18:00 Uhr

Elena Steinmetz

Telefon: 0681 - 906 26 - 11

Referent:

Dr. Felix Bohr

geb. 1982, studiert Geschichtswissenschaft und Katholische Theologie in Berlin und Rom. Es folgt die Promotion an der Georg-August-Universität Göttingen zur bundesdeutschen Unterstützung für im Ausland inhaftierte NS-Täter im Zeitraum zwischen 1949 und 1989. Daneben ist er als Journalist für den SPIEGEL tätig. Seit 2018 arbeitet er als Redakteur im Deutschlandressort des Nachrichtenmagazins. Über sein 2019 erschienenes Buch „Die Kriegsverbrecherlobby“ heißt es in der taz: „Bohr ist ein glänzendes Buch darüber  gelungen, wie es Rechtsextreme erreicht haben, Politik für sich zu instrumentalisieren und zugleich die Deutungshoheit über die Geschichte zu beanspruchen. Angesichts der derzeitigen Versuche, die NS-Zeit als einen ‚Fliegenschiss‘ umzudenken, ist sein Buch aktueller, als uns lieb sein kann.“

© Max Zerrahn